Ihre Browserversion ist veraltet. Wir empfehlen, Ihren Browser auf die neueste Version zu aktualisieren.

Change Management und ihre Tücken

Veröffentlicht am 09.11.2018

Change Management

Ich bin in diesem Job als stellvertretender Filialleiter schon eine Weile. Doch heute geschah etwas Unglaubliches. Die Filialleiterin sagt mir ins Gesicht, das ist das einzig Gute was Sie bisher gemacht haben. Wie kam es dazu?

Die Situation

Ich mache diesen Job seit einiger Zeit und habe mich schnell in das Computersystem eingearbeitet. Die ersten Verträge gingen leicht an die Leute. Man mag mich, ich bin sympathisch und werde entsprechend von der Kundschaft mit Freundlichkeit und einem Lächeln belohnt. Das macht Spaß. Auch die Nachhilfelehrer wissen meine Arbeit zu schätzen und der Respekt, den ich ihnen entgegenbringe wird auch erwidert. Dadurch hatte ich auch die Möglichkeit mit den Nachhilfelehrern auf Augenhöhe zu sprechen. Aus versicherungstechnischen Gründen ist es beispielsweise nicht erlaubt, dass Schüler früher gehen dürfen. Die brauchen nur die Tür rausgehen und die Treppe abstürzen, dann hat man den Salat. Gleichzeitig zahlen die Eltern für 90 Minuten und nicht für 85 oder noch weniger. Bei neunmal im Monat kommt bei 5 Minuten früher schon wieder eine Schulstunde zusammen. Schließlich gehen auch die Eltern davon aus, dass ihre Schützlinge in guten Händen sind und nicht irgendwo auf der Gasse.

Also sprach ich die Nachhilfelehrer einzeln darauf an und wies sie darauf hin, dass sie haftbar gemacht werden können. In Ausnahmefällen, wenn die Eltern zum Beispiel zugestimmt haben, dürfen die Schüler auch schonmal früher gehen. Gar kein Problem. Aber der Teufel ist ein Eichhörnchen. Die Nachhilfelehrer wussten alle nichts von diesem Umstand und waren froh, dass sie jemand darauf aufmerksam gemacht hat.

Als ich mal wieder einen Verbesserungsvorschlag mit der Filialleiterin besprach, wurde das Gespräch von ihrer Seite sehr hitzig. Sie wehrte sich gegen jegliche Verbesserungsvorschläge mit fadenscheinigen Argumenten und dann platzte es plötzlich aus ihr heraus: „…dass die Lehrer nicht mehr früher gehen, ist das einzig Gute, das sie hier gemacht haben.“

Ich war kurz überrascht, blieb ruhig und merkte, dass Veränderungen wohl nicht erwünscht sind. Sie wehrte sich, wenn nötig sogar mit persönlichen Angriffen. Das Thema fallen lassend, ließ ich mir das Ganze nochmal durch den Kopf gehen.

Selbstreflektion

Ist Verbesserung und effizienteres Arbeiten schlecht, weil man sich auf Veränderungen einlassen muss? Weil Veränderungen anstrengend sind?

Ich sprach also mit verschiedenen Leuten und gelangte dabei zu immer gleichen Ansichten: Lass die Dinge wie sie sind! Warum willst du was verändern? Es ist doch gut wie es ist!

War das nicht verrückt? Wenn das Schiff sinkt, soll man das Leck nicht verschließen, weil man das Untergehen gewohnt ist?

Letztlich sprach ich bei einem Seminar mit meiner Dozentin an der IUBH und erzählte von meinem Fall. Ich hatte mich bereits darauf eingestellt dasselbe nochmal zu hören. Doch sie antwortete ironisch:

"Stimmt, Veränderungen sind wirklich etwas Schlimmes."

Ich war irritiert. War da doch jemand, der meine Meinung teilte?

"Weswegen hat man Sie denn sonst eingestellt? Wenn sich ein Unternehmen nicht verändert, statisch bleibt, wird es irgendwann einfach überholt."

Was passiert ohne Veränderung?

Veränderung ist ein notwendiger Prozess. Das gilt nicht nur für Menschen, sondern auch für Unternehmen. Angenommen wir würden uns ab dem Windelalter nicht verändern. Die Auswirkungen wären beschissen. Ein Unternehmen, das also der festen Überzeugung ist, nicht mit der Zeit zu gehen sei sinnvoll, wird früher oder später untergehen.

Ein paar Beispiele: Gustav Schikedanz und sein Unternehmen Quelle

Auf Grund der zu langsamen Reaktion auf die Neuerung Internet, ist das Unternehmen, wie es damals existierte nicht länger überlebensfähig gewesen. Ohne frühzeitige Veränderung war an dieser Stelle nichts mehr zu retten. [1]

Oft sind Veränderungen in einem Unternehmen bzw. in der Unternehmenslandschaft über einen längeren Zeitraum zu beobachten. Hier kann und soll man früh einwirken um nicht später mit viel größeren Problemen konfrontiert zu sein. Auch Nokias Probleme wären frühzeitig zu erkennen gewesen, wenn die Kommunikation gestimmt hätte.[2] Bei Nokia haben sich die Probleme gestapelt bis sie nicht mehr zu bewältigen waren. Es fängt klein an und irgendwann ist es ein Berg, der mit dem richtigen Konzept gar nicht erst entstanden wäre.

Doch wie ist das auf persönlicher Ebene?

Es ist nicht immer leicht zu sein wer man ist, sich Motivation zu erhalten und zu seinem Standpunkt zu stehen. Oft steht man allein gegen viele andere, doch ausgerechnet das wird dich erfolgreich machen und lässt dich immer höhere Höhen erreichen. Sich einen klugen Rat zu Herzen zu nehmen ist keine Schande, doch man darf auf seinen Standpunkt bestehen, wenn man faktische Beweise hat, die diesen unterstützen. Warum also damit aufhören?

Weiterkämpfen ist sinnvoll, allerdings nur an der richtigen Stelle. Deshalb muss ich noch herausfinden, ob das hier die richtige Stelle ist. Manchmal kann ein wenig Bedenkzeit nicht schaden. Manchmal kann es sinnvoll sein über die momentane Situation zu reflektieren und sich zu überlegen, ob man einen aussichtslosen Kampf vor sich hat oder einen der Erfolg bringen kann. Denn wer kämpft schon um zu verlieren.

Auf Social Media teilen

Cookie-Regelung

Diese Website verwendet Cookies, zum Speichern von Informationen auf Ihrem Computer.

Stimmen Sie dem zu?